Vier Monate Isaac im Praxisalltag

Was Kinderarzthaus aus dem Einsatz gelernt hat
Eine Vorsorgeuntersuchung, ein längeres Elterngespräch oder eine psychosozial anspruchsvolle Konsultation verlangen Aufmerksamkeit. Gleichzeitig muss das Wesentliche vollständig und nachvollziehbar dokumentiert werden.
Kinderarzthaus wollte deshalb wissen, ob KI-gestützte Dokumentation im Praxisalltag tatsächlich entlastet und ob Ärztinnen und Ärzte eine solche Lösung auch nach mehreren Monaten freiwillig weiterverwenden.
Im ausgewerteten Zeitraum erstellten 22 Ärztinnen und Ärzte mit Isaac rund 5’300 Dokumentationen. 21 Ärztinnen und Ärzte nahmen zusätzlich an einer strukturierten Befragung teil.
Die Ergebnisse zeigen ein differenziertes Bild. Besonders konsistent berichten die Beteiligten von mehr Aufmerksamkeit für Kind und Eltern. Zeitersparnis entsteht vor allem bei längeren und komplexeren Konsultationen. Gleichzeitig zeigte der Pilot, wo Dokumentationsqualität, Personalisierung und technische Abläufe noch besser werden müssen.
Der Pilot auf einen Blick
22 Ärztinnen und Ärzte im Pilot | ~5’300 Dokumentationen |
18 von 22 in mindestens drei Monaten aktiv | 21 Teilnehmende an der Befragung |
Aus einem Pilot wurde für viele ein regelmässig genutztes Arbeitsinstrument
Der Pilot startete im April 2026 zunächst mit einer kleineren Gruppe. Ab Juni nutzten je nach Monat zwischen 20 und 22 Ärztinnen und Ärzte Isaac aktiv.
Die Nutzung blieb während des gesamten Piloten freiwillig. Niemand musste Isaac bei einer bestimmten Anzahl von Konsultationen oder bestimmten Terminarten einsetzen.
18 der 22 Teilnehmenden waren in mindestens drei verschiedenen Monaten aktiv. Die Nutzung beschränkte sich bei der grossen Mehrheit damit nicht auf die Einführung oder einige wenige Testtage.
Dabei entstanden unterschiedliche Nutzungsformen. Einige Ärztinnen und Ärzte setzten Isaac bei einem grossen Teil ihrer Konsultationen ein. Andere verwendeten den Assistenten gezielt bei Vorsorgeuntersuchungen, längeren Anamnesen sowie psychologischen oder psychosozialen Gesprächen.
Bei sehr kurzen Terminen konnte die gewohnte Dokumentation dagegen ebenso schnell oder schneller sein.
Für die Beurteilung eines KI-Assistenten ist deshalb nicht allein die Anzahl der Nutzungen entscheidend. Relevant ist, ob Ärztinnen und Ärzte das System über längere Zeit freiwillig einsetzen und für welche Situationen sie darin einen Mehrwert sehen.

Mehr Aufmerksamkeit für Kind und Eltern
19 der 21 Befragten beschrieben durch Isaac einen besseren Patientenkontakt, mehr Blickkontakt, bessere Beobachtungsmöglichkeiten oder mehr frei verfügbare Aufmerksamkeit während der Konsultation.
Statt während des Gesprächs laufend Stichworte am Computer einzugeben, konnten sie sich stärker auf das Kind, die Eltern und die Gesprächsdynamik konzentrieren. Besonders häufig wurde dieser Vorteil bei längeren, psychologischen oder psychosozial anspruchsvollen Gesprächen genannt.
Gerade in der Pädiatrie ist diese Präsenz relevant. Die Beobachtung des Kindes, nonverbale Signale und die Interaktion innerhalb der Familie gehören häufig zur Konsultation. Weniger paralleles Tippen schafft mehr Raum dafür.
Eine Ärztin wies allerdings darauf hin, dass ihr das eigene Schreiben hilft, Gedanken zu strukturieren und sicherzustellen, dass wichtige Punkte nicht vergessen werden. Auch das gehört zum Gesamtbild: Arbeitsweisen unterscheiden sich, und nicht jede Person profitiert in derselben Form.
Mehr Blickkontakt. Weniger paralleles Tippen. Mehr Präsenz während der Konsultation.

Zeitersparnis hängt stark von der Konsultation ab
Beim Zeitgewinn waren die Erfahrungen weniger einheitlich.
Einzelne Ärztinnen und Ärzte schätzten ihre Ersparnis auf 25 bis 30 Prozent. Mehrere nannten fünf bis acht Minuten bei geeigneten Konsultationen. Eine Ärztin sprach von mindestens einer Stunde Entlastung über einen Arbeitstag hinweg.
Andere stellten keine klare Zeitersparnis fest. Gründe waren unter anderem umfangreichere Gespräche, notwendiges Kürzen oder Korrigieren der Dokumentation und technische Verzögerungen. Bei kurzen Konsultationen konnte die manuelle Dokumentation schneller sein.
Auch die Nacharbeit am Abend entwickelte sich unterschiedlich. Elf von 21 Befragten berichteten von weniger Nachdokumentation oder Arbeit zu Hause, fünf sahen keine wesentliche Veränderung und zwei eher zusätzlichen Aufwand durch Kontrolle und Korrektur. Bei den übrigen war die Wirkung gemischt oder wurde nicht direkt beantwortet.
Ein pauschales Versprechen wie «Isaac spart fünf Minuten pro Konsultation» lässt sich daraus nicht ableiten.
Die Erfahrungen zeigen vielmehr, dass Zeitgewinn von der Konsultationsart, der persönlichen Arbeitsweise und dem notwendigen Nachbearbeitungsaufwand abhängt.
Besonders aktive Nutzerinnen und Nutzer wollen Isaac weiterverwenden
Für die Bewertung des Piloten lohnt sich der Blick auf Befragung und tatsächliche Nutzung gemeinsam.
Die sechs aktivsten Nutzerinnen und Nutzer stehen für mehr als die Hälfte aller Nutzungen innerhalb der befragten Gruppe. Alle sechs möchten Isaac weiterverwenden.
Die positive Bewertung stammt damit auch von Personen, die Isaac über viele Wochen und mit hoher Intensität im Praxisalltag eingesetzt haben.
Insgesamt möchten 20 der 21 Befragten Isaac freiwillig weiterverwenden. Ein Teil davon möchte den Assistenten bewusst selektiv einsetzen, insbesondere bei längeren oder komplexeren Konsultationen. Eine Person äusserte sich überwiegend kritisch und gab keine klare Zustimmung zur Weiternutzung.
Gerade von intensiven Nutzerinnen und Nutzern kamen gleichzeitig konkrete Verbesserungsvorschläge. Das ist für die Einordnung wichtig: Regelmässige Nutzung bedeutet nicht, dass Schwächen übersehen werden. Im Gegenteil. Wer ein System häufig verwendet, erkennt sehr genau, an welchen Stellen es den Alltag erleichtert und wo noch Reibung entsteht.

Wo Isaac zuverlässiger werden muss
Der Pilot zeigte auch Bereiche, in denen Isaac und die damit verbundenen Arbeitsabläufe noch verbessert werden mussten. Eine Herausforderung lag im bestehenden Arbeitsablauf von Kinderarzthaus. Je nach untersuchtem Organ aktivieren die Ärztinnen und Ärzte bestimmte Textbausteine per Sprachbefehl. Dieser Ablauf musste zunächst eingeübt und auf die Arbeit mit Isaac abgestimmt werden.
Verbesserungsbedarf gab es zudem bei Form und Stil der Dokumentation. Mehrere Befragte empfanden die Texte teilweise als zu ausführlich und wünschten sich präzisere medizinische Stichworte. Zudem wurde eine stärkere Personalisierung gewünscht: Korrigierte Formulierungen und individuelle Dokumentationspräferenzen wurden nicht dauerhaft übernommen.
Diese Rückmeldungen flossen direkt in die Weiterentwicklung ein. Mit der neu eingeführten Memory-Funktion soll Isaac Korrekturen und persönliche Präferenzen künftig stärker berücksichtigen. Wie gut sich die Funktion im Praxisalltag bewährt und ob sie den Nachbearbeitungsaufwand reduziert, wird sich in der weiteren Nutzung zeigen. Die Erfahrungen mit den Textbausteinen zeigen zugleich, wie wichtig es ist, die Lösung eng auf den jeweiligen klinischen Arbeitsablauf abzustimmen.
Gute Dokumentationsunterstützung muss zum bestehenden Workflow passen
Der Pilot zeigte auch, wie stark der Nutzen einer KI-Lösung von den bestehenden Arbeitsabläufen abhängt.
Bei Kinderarzthaus werden je nach untersuchtem Organsystem bestimmte Textbausteine verwendet. Dieser etablierte Ablauf musste mit der KI-generierten Dokumentation abgestimmt werden.
Das klingt nach einem Detail, ist für den praktischen Einsatz aber entscheidend. Eine Dokumentationslösung arbeitet nicht isoliert. Sie trifft auf bestehende Vorlagen, Gewohnheiten, Praxissoftware und persönliche Dokumentationsstile.
Auch hier gab es klare Rückmeldungen aus dem Pilot. Mehrere Ärztinnen und Ärzte wünschten sich kürzere Texte, weniger Wiederholungen und eine stärkere Anpassung an ihre eigene Arbeitsweise. Manche bevorzugen Fliesstext, andere knappe Stichpunkte. Auch der gewünschte Detailgrad hängt von der jeweiligen Konsultation ab.
Saipient hat während des Piloten eine Memory-Funktion eingeführt, mit der individuelle Korrekturen und Dokumentationspräferenzen stärker berücksichtigt werden sollen. Wie gut dies den Nachbearbeitungsaufwand reduziert, wird sich in der weiteren Nutzung zeigen.
Daneben gab es technische Rückmeldungen zu Aufzeichnungen, Übertragungen ins Praxisinformationssystem, Vorlagen und Verarbeitungszeiten. Mehrere dieser Punkte verbesserten sich bereits während des Piloten. Für den dauerhaften Einsatz bleibt ein stabiler und nachvollziehbarer Workflow Voraussetzung.
Die Erwartungen gehen über Dokumentation hinaus
Im Pilot entstanden auch Wünsche für weitere administrative Unterstützung, etwa bei Überweisungen und Arztbriefen, bei der Zusammenfassung umfangreicher Akten oder bei Abrechnung und Formularen.
Diese Funktionen waren nicht Teil der bisherigen Evaluation. Das Feedback zeigt jedoch, dass der Bedarf über die reine Gesprächsdokumentation hinausgeht.
Für solche Erweiterungen gilt derselbe Grundsatz: Isaac kann Informationen strukturieren und Vorschläge erstellen. Prüfung, Freigabe und medizinische Verantwortung bleiben bei den Fachpersonen.
Was nach vier Monaten klarer ist
Der Pilot liefert kein einfaches Versprechen nach dem Muster «X Minuten Zeitersparnis pro Konsultation». Konsultationen, Arbeitsweisen und persönliche Präferenzen unterscheiden sich dafür zu stark.
Drei Erkenntnisse zeichnen sich dennoch deutlich ab:
Mehr Präsenz: Viele Ärztinnen und Ärzte berichten, dass sie während der Konsultation weniger parallel dokumentieren und sich stärker auf Kind und Eltern konzentrieren können.
Selektiver Zeitgewinn: Entlastung entsteht vor allem dort, wo Gespräche länger, komplexer oder dokumentationsintensiver sind.
Adoption braucht passende Arbeitsabläufe: Ärztinnen und Ärzte nutzen Isaac unterschiedlich. Dokumentationsstil, Vorlagen und bestehende Abläufe müssen deshalb berücksichtigt werden.
Die freiwillige Nutzung über mehrere Monate und die hohe Weiternutzungsabsicht zeigen, dass Isaac für viele Beteiligte zu einem real genutzten Arbeitsinstrument geworden ist.
Kinderarzthaus wird Isaac weiter einsetzen. Die Nutzung bleibt freiwillig und orientiert sich daran, bei welchen Konsultationen für die jeweilige Ärztin oder den jeweiligen Arzt ein tatsächlicher Mehrwert entsteht.
«Unsere wichtigste Erkenntnis aus dem Pilotprojekt ist, dass der Nutzen von Isaac individuell ist und stark vom Konsultationsanlass abhängt. Besonders bei langen und komplexen Gesprächen schafft Isaac häufig nicht nur eine Zeitersparnis, sondern vor allem mehr Präsenz für Kind und Eltern. Statt parallel zu dokumentieren, können wir den Blick bei unserem Gegenüber lassen. Bereits während der Pilotphase wurde Isaac aufgrund unserer Rückmeldungen weiterentwickelt. Wir haben uns deshalb entschieden, Isaac allen Ärztinnen und Ärzten zur freiwilligen Nutzung bereitzustellen und die Weiterentwicklung gemeinsam mit Saipient fortzuführen.»
Dr. med. Tim Brennemann, Chief Medical Officer Kinderarzthaus AG
Isaac im eigenen Praxisalltag erproben
Gerne teilen wir die Erfahrungen aus dem Pilot mit Kinderarzthaus und besprechen, wie sich Isaac in Ihrer Praxis gezielt erproben und anhand konkreter Nutzung und Rückmeldungen evaluieren lässt.



